ABORTED „Slaughter & Apparatus: A methodical Overture“
(Century Media)
(42:41)

Klares Ding, im Death Metal Bereich ist das meiste gesagt was gesagt werden musste (das gilt im übrigen auch für alle anderen Metalbereiche), daher ist es immer wieder nett zu beobachten, wenn Bands wie ABORTED versuchen, neue Nuancen in altbewährte Konstrukte ihres Genres einzugliedern. So geschehen auch auf dem aktuellen, fünften Album der Belgier, die die Marschroute vom Vorgänger „The archaic abattoir“ fortgesetzt haben und die Einflüsse aus Metalcore in dem Death / Grind Gemisch stärker denn je zum tragen kommen lassen. Hauptverantwortlich dafür insbesondere der cleane, keifende Zweitgesang von Gitarrist Tuvi und die häufig aktivierten Stakkato-Einlagen. Solche Geschichten sind immer eine zweischneidige Angelegenheit, gerade im Death Metal sind die Grenzen denkbar eng gesteckt und dann ausgerechnet zwischen den gurgelnden Growls von Frontsau Sven De Caluwé Gesangseinlagen zu streuen, daß man das Gefühl bekommt, es laufen gerade ein Death- und ein Metalcore Album gleichzeitig nebenher, ist nicht unbedingt klug und schwächt Songs wie „Ingenuity in genocide“, „Avenious“, „The Chondrin Enigma“ oder „Underneath rorulent soil“ nicht unwesentlich ab. Da wäre weniger sicherlich mehr gewesen, doch da machen ABORTED keine halbe Sachen und haben jedes einzelne der 11 Stücke mit ihrer Neuerung im Sound „aufgewertet“, was sich in dieser überstrapazierten Form definitiv als Nachteil auf das ansonsten recht gute, progressive Death Metal Album ausgewirkt hat und auch der (erneute) Gastauftritt von Jeff Walker kann hier nicht mehr viel reißen. ABORTED sollten sich auch nicht in Zukunft von ihrer Experimentiertfreudigkeit abbringen lassen, nur sollten sie neue Elemente nicht versuchen mit der Brechstange reinzuhebeln. Das haben Bands wie Gojira beispielsweise wesentlich besser verstanden...

Harald Deschler