ANGELUS APATRIDA „Clockwork“
(Century Media)

Die Provinz Albacete im spanischen Niemandsland dürfte allenfalls den spanischen Weinexperten unter unseren Lesern ein Begriff sein. Eventuell hatte auch mal jemand aus der 200 km süd-östlich von Madrid gelegenen Gegend eines der hochwertigen Messer in der Hand, für deren Produktion Albacete noch bekannt ist. Mit ANGELUS APATRIDA sollte nun für alle Thrash Metal-Jünger ebenfalls dieser Ort auf dem Metalradar erscheinen, denn mit „Clockwork“ erscheint die Tage das dritte Album der seit zehn Jahren bestehenden Band, die nun bei Century Media eine neue Heimat gefunden hat. Zu den beiden selbstproduzierten Vorgängern können mangels Kenntnis keine Vergleiche gezogen werden, was die vier Spanier allerdings auf „Clockwork“ abliefern klingt bereits sehr routiniert und aufeinander eingespielt. Stilistisch geht die Truppe recht Bay Area-orientiert zur Sache und bringt immer wieder traditionellen Heavy Metal-Flair der Gattung Iron Maiden ins Spiel. Das Hauptaugenmerk legt man auf leicht progressive Thrash-Kompositionen, die häufig frappierend an Death Angel und an die Achtziger Megadeth erinnern, nicht zuletzt auch wegen des dezent quäkenden wie teils nasalen Gesangs von Fronter/Lead Gitarrist Guillermo Izquierdo, der ANGELUS APARTIDA eine recht charismatische Note verpasst. Handwerklich wie technisch ist die Band ebenfalls über alle Zweifel erhaben, doch ab und an gehen die Spanier einen regelrechten Drahtseilakt mit recht vielen, manchmal zu ausgedehnten und nicht unbedingt songdienlichen Solos, Breaks und Rhythmuswechseln. Hier schwankt die kompositorische Seite ab und an ein wenig an Struktur zu verlieren. Das geht in den meisten Fällen gut und macht Songs wie die Abrissbirnen ´Legally Brainwashed´, ´Blast Off´, ´One Side One War´, das leicht hymnische ´Of Men And Tyrants´ oder das Metallica-angehauchte ´My Insanity´ erst so richtig fett, aber gelegentlich neigen potentiell coole Nummern wie ´Into The Storm´, ´Get Out Of My Way´ oder ´Devil Take The Hindmost´ auch dazu, sich etwas im Nichts zu verlaufen. Vielleicht sind hier auch einfach nur ein paar Durchläufe mehr nötig, denn für das ganze Material gilt grundsätzlich, dass es erst mal richtig entdeckt werden möchte und mit zunehmendem Konsum wachsen kann. ANGELUS APARTRIDA sollte man hingegen so manch künstlich gehypten Thrash-Act tatsächlich auf dem Schirm behalten und sich von dem „Clockwork“ überzeugen lassen, hier schlummert potentiell Großes!

Harald Deschler