GRIND INC. „Lynch And Dissect“
(Bastarized Rec.)

Da sich Kurzarbeit und Arbeitsplatzreduzierungen nach wie vor größter Beliebtheit erfreuen, wird auch im Hause GRIND INC. eingespart, und zwar in der Abteilung Humanressourcen. Betroffen war in diesem Fall Zweitsänger Thomas, durch dessen Abgang die Formation zum Quartett geschrumpft ist. Sicherlich waren zwei Sänger nicht unbedingt üblich in einer Death/Grind-Formation wie dieser, dennoch hatte man sich in der Vergangenheit an die Variabilität und verschiedenen Stimmklangfarben bei GRIND INC. gewöhnt, vielleicht auch, weil man sich durch diesen Umstand ein Stück weit mit einer signifikanten Note von der zahlreichen, (überkontinentalen) Konkurrenz unterschieden hat. „Lynch And Dissect“ fegt jedoch sämtliche Bedenken vom Tisch, die Maschinerie läuft gnadenloser und präziser denn je, Christoph Mieves röchelt sich die Eingeweide aus der Luftröhre und die Rhythmusfraktion metzelt mindestens so effizient wie auf dem großartigen „Sudden State Of Hate“. Irgendwo in einer Schnittmenge aus Cannibal Corpse, Deicide, Morbid Angel und einem Schuss Thrash sowie Grind lautet nach wie vor die Zauberformel, mit der sich GRIND INC. als feste Größe im heimischen Underground einen Namen gemacht haben. Die stärkste Phase erreichen die Jungs im Zentrum der Scheibe, die mit dem progressiven, abgrundtiefen ´Praise The Light´ ihren Höhepunkt findet, aber auch das straighte, Corpse-artige ´Damned To Vengeance´ oder das höllische, dezent an die ´Legion´-Phase von Deicide erinnernde ´Decimate´ setzen fette Ausrufezeichen. Weitere Großtaten sind das recht komplexe und mit Zweitstimme gepimpte ´Forced To Consume´ sowie der schreddernde Titelsong, der von der Aussagekraft her auch ganz gut das Wahlprogramm 2010 von GRIND INC. auf den Punkt bringt.

Harald Deschler