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EXODUS „Exhibit B: The Human Condition“ (Nuclear Blast)
Knappe drei Jahre sind seit „Exhibit A“ vergangen, doch über fehlende Präsenz der Truppe um Ausnahmegitarrist Gary Holt konnte sich wohl niemand beschweren, schließlich spielte die Band in dieser Zeit vermutlich auf jeder Anhöhe über 50 cm zwischen Memphis, Saarbrücken und Katovice. Dazwischen hat man noch die „Bonded By Blood“-Neueinspielung „Let There Be Blood“ und Anfang des Jahres die DVD-Vollbedienung „Shovel Headed Tour Machine“ auf die Blutbrüder losgelassen. Soviel EXODUS gab es in so kurzer Zeit nie zuvor. Angesichts der vollen Terminkalender der letzten beiden Jahre grenzt es um so mehr an ein Wunder, was die Thrash-Veteranen hier mit ihrem nunmehr neunten Studioalbum für ein unglaubliches Brett auffahren. Hatten die beiden letzten Studioalben neben den vielen Ausnahmesongs noch durchaus ein paar Schwächen zu verzeichnen, scheint mit „Exhibit B“ die Maschine nun endgültig einwandfrei ins Rollen gekommen zu sein. Insbesondere Aggro-Redneck Dukes hat offenbar seinen bisherigen Zenit erreicht; zwar nicht in punkto Brutalität, dafür um so mehr in Sachen stimmlicher Variabilität. Macht den Zeitgenossen zwar keinen Millimeter sympathischer, das Hörerlebnis offenbart dafür aber eine seit sechs Jahren nicht mehr dagewesene Vielseitigkeit. Mittlerweile zum Standard geworden scheinen die Nummern um die 7-Minuten-Marke, wesentlich drunter (oder auch mal drüber) nur noch in Ausnahmefällen. Das hat insbesondere beim ersten Teil dieser Doppelkeule dazu geführt, dass die ausgerufene Marschroute auf Kosten der kompakten, leichter eingängigen Smasher ging, wie man sie bei EXODUS vornehmlich von früheren Alben gewohnt war, gerade mal ´Riot Act´ erfüllte noch jenes Kriterium. Im Falle von „Exhibit B“ schlagen mit ´Hammer And Life´, ´Burn, Hollywood, Burn´ sowie ´Good Riddance´ wieder ein paar Stücke mehr in die straightere Kerbe, aber das Gros der Songs spielt sich in komplexeren Regionen ab. Auffällig dabei auch, dass EXODUS so melodisch wie vielleicht noch nie vorgehen, ohne dabei einen Funken Aggressivität zu verlieren. Was Gary Holt und Lee Altus alleine hier an Hooklines raushauen, reicht eigentlich auch noch für eine Exhibit C aus. Schon der Opener ´The Ballad Of Leonard And Charles´ gipfelt kurz nach seinem ruhigen Intro in eine wahnsinnige Gitarrenschlacht mit einem verdammt hohen Tempo. Sofort wird klar, dass Holt offenbar wieder mehr Lust auf die frühen Tage hat, denn der viel geschundene Begriff „Old School“ lässt sich im Zusammenhang mit „Exhibit B“ schlicht nicht vermeiden. Da knüpft auch das vielschichtige ´Beyond The Pale´ an, dass durch irrsinnige Soli jeden anderen Gitarristen zur Verzweiflung bringen würde. Nach dem Doppelschlag ist auch schon die erste ¼ Stunde von der Scheibe absolviert – Wahnsinn, wie kurz doch 15 Minuten sein können. Kurz ist ein gutes Stichwort, denn mit ´Hammer And Life´ folgt mit der halbierten Teufelsformel das kürzeste Intermezzi mit ebenfalls mächtig Drive, Groove und jeder Menge „Bonded“-Flair. Geil! Die recht organische, rohe Produktion tut ihr übriges, um an die ganz großen Zeiten zu appellieren und macht EXODUS insgesamt wieder etwas nahbarer, was ihnen jüngst etwas abging. ´March Of The Sycophants´ ist der hasserfüllte Höhepunkt auf „Exhibit B“, auf dem Hunting regelrecht sein Drumkit zerlegt, während mit ´Nanking´, ´Downfall´ oder auch ´Democide´ verhältnismäßig gechillt und mit übermächtigem Groove alles überrollt wird, was sich in den Weg stellt. Auch das eingängige ´Burn, Hollywood, Burn´ gehört definitiv zu den Highlights und schreit nach Moshpit, Mitgröhlerei und Feuerzeuge schwingen lassen. Ein basslastiges Inferno fegt im längsten Stück ´The Sun Is My Destroyer´ mit etwas über 9 Minuten und coolem, leicht doomig-spacigen Mittelteil all das noch vom Feld, was bislang stehen blieb. Und bereitet auf den ebenfalls im wörtlichen Sinne zu verstehenden Abgang ´Good Riddance´ vor, der EXODUS noch einmal in Thrash Reinkultur präsentiert und einmal mehr Gewissheit bzw. Bestätigung einer althergebrachten, überlieferten Weisheit aus dem Allgäu verschafft: EXODUS macht Hexaschuss!
Harald Deschler
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