ANOXIA „A Lapdance For The Devil“
(Mighty Music)

Da wird sich der Teufel aber freuen! Aus dem Hause Mighty Music kamen bislang vornehmlich Ballercombos der Gattung Taetre, Sacrificial, Beheaded oder die dort noch immer beheimateten Exmortem. Auf melodischen, traditionellen Heavy Metal lag bei Mighty Music bislang nicht unbedingt der Fokus. Die dänischen Landsmänner ANOXIA bestätigen da seit neuestem die berühmte Ausnahme der Regel, denn hier erwartet den Hörer auf deren Debüt jede Menge Heavy Metal, der sich primär aus dem US-(Melodic) Power Metal der Achtziger sowie gelegentlich dem NWOBHM nährt. Dazu kommen Einflüsse aus Hard und Heavy Rock und eine gute Portion Metallica, die ihre Spuren beim Lapdance hinterlassen haben. Viel Wert legen die Dänen auf eingängige Refrains und Melodien, meistern das aber ohne kitschig und anbiedernd zu wirken und vor allem OHNE Keyboard, was schon die halbe Miete bei ANOXIA ausmacht. Der charismatische Gesang von Lars Frederiksen, der ein wenig an Andi Deris erinnert, bringt in den Sound auch ein wenig Helloween-Flair (ohne die Kindermelodien) ins Spiel, was besonders Songs wie den Opener ´Cold Violence´, den Titeltrack, ´The Expected´ oder ´Hell Bent For Heaven´ betrifft. Ab und an nähern sich die vier Nordeuropäer auch thrashigen Klängen an, die u.a. in ´The Tale Of Jimi And Janis´, ´Flowers On My Grave´ oder ´My Prison´ zu Tage gefördert werden. Dazwischen wird auch, wie erwähnt, gemäßigtere Kost serviert, wie das sehr Hard Rock-lastige ´Lonely Ride´ (mit kurzem Thrash-Intermezzo). Das gestaltet „A Lapdance For The Devil“ zum einen sehr kurzweilig, zum anderen bleiben ANOXIA mit dieser Spannbreite jederzeit unberechenbar und schaffen es, aus verhältnismäßig gegensätzlichen Komponenten einen sehr geilen und überraschenden Nenner zu finden. Mehr davon!

Harald Deschler