BORGIA „Ecclesia“
(Paradigms)

Die Buchstaben im Bandnamen stehen für „Blasphemi Obsignati Resignaculo Germaninferorum In Aeternum“, eine Verbindung zur gleichnamigen, aus Spanien zur Zeit der Renaissance stammenden Adelsfamilie dürfte trotz allem nicht ungewollt gewesen sein, denn aus dieser Familie entstammen gleich zwei Päpste. Und der lyrische Fokus liegt bei BORGIA auf den Greueltaten und Verbrechen der europäischen Kirche in eben jener Renaissance, sowie des Mittelalters und der Barockzeit, womit auch der Albumtitel (Kirche) für sich sprechen dürfte. Die Texte sind konsequenterweise überwiegend in französisch, aber auch in spanisch sowie Latein verfasst und verschaffen durch ihren sprachlichen Klang dem Gesamtresultat einen stimmungsvollen Schliff. Musikalisch bewegen sich die Herrschaften in einer erwartungsgemäßen Schnittmenge aus progressivem Death und etwas Black Metal, wobei man sich zwar von Größen wie Morbid Angel, Immolation oder auch Enslaved, frühe Moonspell und Akercocke inspirieren ließ, aber letztlich sein eigenes Süppchen kocht. „Ecclesia“ lebt und atmet in seinem Gesamtkontext und führt Einzelnennungen ad absurdum. BORGIA schildern auf ihrem Album den blutigen Weg der katholischen Kirche und haben dabei die Songs so aufgebaut, dass sie wie eine erzählende Geschichte aus einem Buch den Hörer (Leser) in ihren Bann ziehen, ohne auch nur den geringsten Wert auf vereinzelte Titel oder besondere Eingängigkeit zu legen. Etliche Nuancen und Facetten bereichern das ungestüme musikalische Treiben; Sprechparts, Kirchenglocken, ruhige, melancholische Momente inmitten von verstörender, infernalischer Raserei, tonnenschwere Grooves und disharmonische Melodien – BORGIA machen sich alles zu Eigen, was nötig ist, um ihre Geschichte zu erzählen. Abgerundet wird das imposante Erstwerk durch ein erstklassig aufgemachtes Digipack mit tollem Booklet, in dem sämtliche Titel auch in illustrierter Form als hochwertige Kohlezeichnungen abgebildet sind. Feine Sache!

Harald Deschler