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SYLVAN „Force Of Gravity“ (Sylvan Music)
Cool wenn man es sich leisten kann, als Opener eine gefühlvolle, bisweilen an Coldplay-erinnernde Ballade zu schnulzen, ohne irgendwie auch nur ansatzweise hier schon verloren zu haben. Ganz im Gegenteil, denn SYLVAN aus Hamburg stehen auf ihre Weise über den Dingen und dass bereits zum siebten Mal nach der Erstveröffentlichung „Deliverance“ aus dem Jahr 1999! So lassen sie gleich mit dem zweiten Song ´Follow Me´ die Schwarte krachen und zelebrieren progressiven (Power) Metal mit ordentlich Wumms, Anspruch an die eigenen musikalischen Fähigkeiten und trotzdem einem Händchen für einen eingängigen Song, der sich herausnimmt, in seinem Mittelteil in einer vertonten Atonalität des DAX-Verlaufs der letzten Jahre zu gipfeln. Danach wird schon wieder Zuckerbrot verteilt, denn auch die ´Isle In Me´ widmet sich den ruhigen, verträumten Seiten des (Innen)lebens und der Eindruck verfestigt sich zunehmend, dass mit „Force Of Gravity“ eine gekonnte Verknüpfung zwischen den beiden letzten Scheiben stattgefunden hat. Soll heißen, die gefühlvollen, episch angehauchten Songs aus dem Konzeptwerk „Posthumous Silence“ verschmelzen mit dem Songwriting der letzten Studioplatte „Presets“, auf der SYLVAN „unverkrampfter“, eingängiger und songorientierter zur Sache gegangen sind. Davon zeugt insbesondere auch das folgende ´Embedded´, dass von der Anlage und vom Umfang her mit absoluter Radiotauglichkeit aufwartet, während das fast siebenminütige ´Turn Of The Tide´ wiederum genau das Gegenteil davon verkörpert und mit seiner Vielschichtigkeit, dem Einsatz von Klavier und Streichern, kurzem Metaleinschub und massig verströmender Melancholie zum längeren Verweilen und Träumen einlädt. Eine Ballade, primär getragen von Piano, Streichern und den Stimmen von Marco Glühmann und Gastsängerin Miriam Schell, hat sich das Quintett ebenfalls nicht nehmen lassen, bevor in ´King Porn´ der metallische Faden wieder aufgenommen wird und die Gitarren auch wieder etwas braten dürfen, was insgesamt leider etwas zu selten auf „Force Of Gravity“ vorkommt. ´Episode 609´ ist für mich die graue Maus auf dem Album und songtechnisch gesehen die einzige Nummer, die man nicht unbedingt gebraucht hätte. Mit ´God Of Rubbish´ folgt die rockigste Nummer auf dem Siebtwerk und entspannt mit etwas leichterer Kost vor dem letzten, fast fünfzehnminütigen Schlusstrack ´Vapour Trail´, der nochmals die gesamte Spannweite von SYLVAN auftischt und dabei einige Parallelen zu Bands wie Pink Floyd aufkeimen lässt. Ein großes Album.
Harald Deschler
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