SACRED STEEL „Carnage Victory“
(Massacre)

SACRED STEEL aus dem Ländle sind der Inbegriff einer polarisierenden Band. Die einen lieben und sterben für den „traditionellen“ Heavy Metal-Sound von SACRED STEEL, der sich vorrangig gerne im US-Speed und Power Metal der Achtziger suhlt und seine Weisheit schöpft, während die Opposition mit so viel Klischee, Trueheit und nochmals Klischee so gar nicht kann. Insbesondere der sirenenartige Gesang von Gerrit P. Mutz scheidet vermutlich nach wie vor die meisten Geister, aber das ist den Schaffenden herzlich egal – zurecht! Denn viel falsch machen kann man aus Fan-Sicht ohnehin nicht, denn in der Vergangenheit haben SACRED STEEL trotz des vermeintlich engen Korsetts recht viel experimentiert, ausprobiert und den eigenen Sound bereichert, ohne dass es nennenswerte Vorwürfe von Seiten der „True Believers“ gab. Auf „Carnage Victory“ erwartet den geneigten Interessenten eine gelungene Zusammenfassung der vergangenen 12 Jahre, auch wenn das abgedroschen klingen mag, aber dem Album hört man vielleicht nicht zuletzt durch die dreijährige Spanne seit der „Hammer Of Destruction“ eine gewisse entspannte Herangehensweise der fünf Mann an, als wäre das Album rein intuitiv und ohne großartiges Konzept entstanden. Herausgekommen sind dabei jedenfalls einige echt Hämmer, das kündigt bereits der speedige Opener ´Charge Into Overkill´ an, bevor schon mit Song Nummer Zwei mein persönliches Highlight auf dem Album folgt, die Mercyful Fate-Verneigung ´Don´t Breakt The Oath´. Viel Glück beim Versuch, den Ohrwurm wieder loszuwerden. Nach dem mächtigen, mit coolen Breaks durchzogenen Titelsong steht mit ´Broken Rites´ vielleicht eine der plakativsten Nummern in den Startlöchern, die sich die Schwaben bislang aus den Nietenarmbändern geschüttelt haben, zumindest lyrisch. Harter Tobak, den man je nach Tageslaune unterschiedlich werten kann. Musikalisch wurde hier deutlich auf die Maiden-Schule (insbesondere mit den doppelten Leadgitarren) gesetzt. ´Ceremonial Magician Of The Left Hand Path´ greift den Doom-Hintergrund von Gerrit auf, der ja auch bekanntlich bei den nach wie vor aktiven Dawn Of Winter hinterm Mikro steht. Der Song überzeugt durch seinen treibenden, hypnotischen Groove und bildet einen guten Pol zwischen dem hymnischen, flotten ´Crosses Staind With Blood´ und dem galoppierenden ´The Skeleton Key´. Einen Song, den man auch noch mit 3 Promille im Blut lauthals rauskrakelen kann, darf auf ´Carnage Victory´ selbstredend auch nicht fehlen; mit ´Metal Underground´ zeigen sich SACRED STEEL jedenfalls von einer ungewohnt groovigen, hard-rockigen Seite, was der Band auch mal gut zu Gesicht steht. Richtig auf die Kacke hauen die Jungs noch mal mit dem Rausschmeisser ´By Vengeance And Hatred We Ride´, dass garstig und mit Growls veredelt abschließend klarstellt, dass diese Band auch in Zukunft auf jegliche Konventionen scheissen wird. Und das ist auch gut so.

Harald Deschler