|
EXODUS „Shovel Headed Tour Machine“ 2-DVD & CD (Nuclear Blast)
EXODUS spalten die Lager seit vier Jahren. Auslöser dafür ist insbesondere die Person Rob Dukes, der sich sogar über mehrere „We Hate Rob Dukes“-Foren im WorldWideWeb „freuen“ darf. Der Aggro-Redneck verkörpert für viele jenen gewalttätigen Archetypen, den EXODUS zwar schon seit jeher in ihren Songs heraufbeschwört haben, aber aus Fleisch und Blut will man so einen übelgelaunten, übergewichtigen Preisboxer dann doch nicht vor sich sehen. Weder in einer Kneipe und eigentlich noch weniger bei EXODUS auf der Bühne. Und die Geschichte mit „I´m no patriot, just a hate-triot“ (´Scar Spangled Banner´) wirkt angesichts der albernen Stars&Strips-Shorts des Sängers bestenfalls als gut inszenierte Farce. Selbstredend waren auch Baloff sowie Zetro keine Kinder von Traurigkeit, aber die Jungs hatten durch und durch Metal im Blut, Charme, Magie und es insbesondere nicht nötig, die Crowd durch permanente Aufforderungen zu Circle Pits, Wall Of Death´s und Beschimpfungen im Stile eines Bootcamp-Animateurs zu unterhalten. Wer das Privileg hatte, EXODUS noch live mit besagtem Zetro oder gar Paul Baloff gesehen zu haben, der wird die Unterschiede zum heutigen Auftreten der Band spüren bzw. gespürt haben. Wie auch immer, „Shovel Headed Tour Machine“ präsentiert die Truppe um Gary Holt zum einen auf dem Wacken 2008, zum anderen enthält das Package eine sehr gut gelungene Doku-DVD unter dem Banner „Assorted Atrocities“, die mit Impressionen, Interviews, Live-Sequenzen und etlichen Storys um die Band aufwartet. Darunter auch sehr kultige Non-Metal-Moments, die zumeist Holt in recht amüsanten Aktionen „outen“, die unter Thrash-Gesichtspunkten mal so gar nicht gehen. Dazu gibt es noch diverse Clips, eine fette Photogallerie, ein altes Interview von ´85 + diverses. Der Wacken-Auftritt bietet eine 68 Minuten-Lesson in Violence (übrigens auch als CD mit enthalten), d.h. eine 11-Song-Auswahl aus dem hochkarätigen Backkatalog, der vom Opener ´Bonded By Blood´, ´A Lesson In Violence´, ´Strike Of The Beast´ über ´Blacklist´, ´War Is My Sheperd´ bis hin zu ´Funeral Hymn´ und ´Children Of A Worthless God´ die History von EXODUS gut umreißt. Technisch gesehen war die Truppe wahrscheinlich selten so fit wie zur Jetzt-Zeit bzw. beim besagten Auftritt in Wacken; qualitativ ist das alles ganz großes Kino, der Sound ist ultra-genial, die Stimmung in Wacken exzellent und die Songauswahl wie gesagt auch vom Feinsten. Aber spätestens wenn bei der sechsten Nummer schlicht und ergreifend nicht vorab festgestellt wird, dass es sich im kommenden Song NICHT um Gold- bzw. Thunfische handelt, sondern stattdessen die Handkamera rausholt um die eindrucksvollen Bilder von Wacken für die Verwandschaft zu Hause festzuhalten, ja spätestens dann ist das Bild von EXODUS einfach nicht mehr ganz das, was es einst für die meisten eingefleischten EXODUS-Maniacs gewesen ist.
Harald Deschler
|
|