DISHARMONIC ORCHESTRA „Ahead“
(Metal Mind)

Extravaganz in der Musik zu erreichen ist etwas, was viele anstreben, aber nur ganz wenige schaffen. Eine Band, die das auf ihre Weise spätestens seit 1992 hinbekommen hat, sind die aus unserem österreichischen Nachbarland stammenden DISHARMONIC ORCHESTRA, die ihren Bandnamen mit jeder Zelle ihrer Körper gelebt haben. Die Wiederveröffentlichung des ursprünglich 2002 erschienenen „Ahead“, welches gleichzeitig das letzte musikalische Lebenszeichen der drei Herrschaften darstellt, führt den Ausnahmestatus der Truppe wieder eindrucksvoll vor Augen. Im Prinzip braucht man über diese vertonte Abgedrehtheit nicht viele Worte zu verlieren, beginnt das Album vielleicht von hinten zu hören mit dem Hidden Bonustrack, dann wisst Ihr, wo der Orchester-Frosch seine Locken hat. Verweise an die alten Tage, als man noch hemmungslos Grindcore bzw. Death Metal geschreddert hat, findet man nur noch mit der Lupe, bzw. als eingebaute Gimmicks. Ansonsten lässt sich die Soundmelange nicht mehr wirklich definieren, DISHARMONIC ORCHESTRA verbinden auf „Ahead“ Elemente aus Thrash, Neo Thrash, (groovenden) Metal, Ambient, Jazz, TripHop(!), Pop, Drum n´ Bass und diversen anderen Abartigkeiten, die bei „konventionellen“ Metal-Fans für verächtliches Naserümpfen sorgen dürften. Darauf scheisst das Orchester gepflegt und das zurecht, denn wer auf diesem Album nur Nummern sucht, die möglichst nach „reinem“ Metal klingen, wie z.B. bei den wenigen Ausnahmen wie ´Pain Of Existence´ oder mit Abstrichen auch ´Keep Falling Down´, der sollte ohnehin die Finger von diesem Unterfangen lassen. Wer aber mal wieder Lust hat, sich von einem Album zu (fast) jeder Sekunde überraschen zu lassen, stilfremden Elementen gegenüber absolut aufgeschlossen ist und eine gesunde Portion Humor besitzt, den kann „Ahead“ nur schicken. Sunday Night hab ich Zeit für die Liebe!

Harald Deschler