Eine Newcomer-Band aus Schweden, die epischen, klassischen Heavy Metal spielt und auch noch diverse Hammerfall-Verknüpfungen vorweisen kann, da geht man eher mit einer gewissen Skepsis an die Materie, denn von diesen Acts hat es in den vergangenen zwei, drei Jahren ja doch die ein oder andere Band aus dem Gulli an die Oberfläche gespült. Voreingenommen wie ich bin, wollte ich das Teil erstmal ein paar Jahre ungehört in meinen CD-Regal verschimmeln lassen, bevor ich es dann an die Caritas verschenke. Aus irgendwelchen, schon fast X-Files-verdächtigen Umständen, ist die CD dann doch mal in meine Anlage gewandert und ich mußte mich entgegen meiner Ignoranz eines besseren belehren lassen.
Mastermind Martin Furangen alias Cosmic Antagonist (!!) wird im folgenden Interview vielleicht noch mehr Zweifler auf seine Seite ziehen können....

Seit wann existieren Lost Horizon und wie hat alles begonnen?
"Nun, Christian (as Preternatural Transmogrifier), Wojtek (as Transcendental Protagonist) und ich starteten Anfang 1998 mit der Motivation, einen epischen Meilenstein im Metal abzuliefern. Wir schrieben über ein Jahr permanent an Material und nachdem wir noch unseren vierten Mitstreiter, unseren Sänger Daniel (as Etherial Mangnanismus) fanden, brachten wir im Juni ´99 ein Demo raus, daß wir an alle Labels schickten, die uns einfielen. Die Interesse der Companys war sehr groß an uns, letztlich entschieden wir uns für Music for Nations. Wir waren zwangsläufig bei vielen Leuten keine ganz unbekannten Namen mehr, da ich zusammen mit Joakim Cans, Stefan Elmgren und Patrik Rafling zusammen in einer Band namens Highlander spielte, nach dem Split haben die drei Jungs bekanntlich eine Band gegründet, die nicht so unbekannt sein dürfte (die Rede ist natürlich von Hammerfall...-Anm.d.Verf.). Bereits mit Highlander verfolgten wir die Pfade, aus denen sich später Hammerfall gründeten."
Woher beziehst Du Deine Einflüsse?
"Hm, unsere Einflüsse entspringen unseren Herzen, das ist es, woran wir glauben. Musikalisch haben uns die Achtziger geprägt, in denen wir alle aufgewachsen sind. Das übliche halt, Iron Maiden, Riot, Manowar, etc. Die Einstellung, die Du für diese Musik eben brauchst, worum es im Leben geht. Inspiriert haben mich neben der Musik auch Filme, die ich im Songwriting auslebe."
Hast Du da spezielle Vorlieben in punkto Filme?
"Ja, sicher, z.B. ist Highlander einer meiner Favoriten oder Science Fiction-Zeug wie Alien, Blade Runner, Matrix und so was, da stecken auch wirklich gute Skripte dahinter."
Highlander IV soll ja ganz schön stinken...
"Yeah, das stinkt nach Hollywood. Und das überrascht mich auch nicht, die zwei davor waren auch schon Müll. Aber das ist doch mit den meisten Fortsetzungen so, da gibt es wirklich nur sehr wenige, die halbwegs nachvollziehbar und außerdem nicht völlig dem Kommerz unterlegen sind."
Völlig unabhängig jeglichen Kommerzes sind eure Pseudonyme, die auch nicht so ganz alltäglich sind...
"Das sind keine Pseudonyme, das sind Titel. Das ist eine Beschreibung unserer Persönlichkeiten, deswegen Titel und keine Namen. Da stehen tiefergehende Bedeutungen dahinter, z.B. mein Titel, Cosmic Antagonist, bedeutet, daß ich Dinge sehen muß, bevor ich sie glauben kann. Das "Cosmic" bedeutet in diesem Zusammenhang, daß ich dabei nicht nur auf mich und mein Umfeld schaue, sondern das Gesamtbild der Menschheit, der Welt betrachte. Mich interessiert einfach, was auf dieser Welt, in der ich lebe, alles um mich herum geschieht, das gute wie das schlechte."
Hat Dich das zu einem Pessimisten oder zu einem Optimisten gemacht, was Du alles von dieser Welt gesehen und gehört hast?
"Ein Pessimist bin ich auf jeden Fall nicht, ich würde mich als einen Realisten bezeichnen. Ich tendiere sogar in die Richtung, mein Leben optimistisch zu sehen, aber was mich traurig macht, sind die Leute, die um mich herum sind und so blind und ohne Fragen durch das Leben laufen. So etwas ist für mich unvorstellbar, ob das nun auf den Christentum oder auf was auch immer übertragen wird. Ich kann nicht verstehen, weshalb so viele Menschen in einer Reihe laufen und alles akzeptieren, was man ihnen sagt. Ist sowas noch Leben? Und genau das ist es auch, was wir mit Lost Horizon ansprechen. Wir wollen, daß die Menschen mehr Dinge hinterfragen. Und ich glaube auch, daß wir damit das richtige Publikum erreichen, denn Heavy Metal-Fans sind solche Themen sehr aufgeschlossen gegenüber und denken meist genauso wie wir auch. Wir geben genau diesen Menschen Energie, das zu verfolgen, woran sie glauben, ihren eigenen Weg zu finden und sich selbst zu verwirklichen. Es gibt kein Schicksal in einer Abhängigkeit."
Demnach ist der Albumtitel "Awakening the world" mehr als nur eine Floskel, das scheint schon so eine Art Mission für Dich zu sein?
"Meine Mission ist es, den Leuten ein Gefühl der Zusammengehörigkeit zu erschaffen, denn man kann sich sehr allein fühlen in einer Welt voll millionenfacher Blindheit und Ignoranz. Ich möchte Augen öffnen und sagen: "Hey, wir sind nicht allein!". Unsere Musik und unsere Texte sollen dazu beitragen, die Energie freizusetzen, die wir dafür brauchen."
Und das bringt mich zu dem Albumcover, das auf den ersten Blick vielleicht ein wenig albern wirkt (um es mal dezent auszudrücken), aber die Versinnbildlichung finde ich sehr gut umgesetzt. Vielleicht kannst Du den Leuten, die das Cover nicht kennen, ein paar Erklärungen liefern?
"Ja, man sieht dort menschliche Marionetten, die geführt werden von animalischen Kreaturen, wie z.B. Ratten, Geiern oder Schweinen, die die verschiedenen Institutionen und Charaktere in unserem Leben symbolisieren. Die Menschen haben alle verbundene Augen und stehen für die Verlierer in unserer Gesellschaft, weil sie völlig unmündig sind und alles hinnehmen, wie es kommt."
Auf dem Backcover versklavt ihr Jungs die Kreaturen, wie kann man das auffassen?
"Das bedeutet, daß die Menschen LOST HORIZON gehört haben und verstanden, worum es in unseren Texten und im Leben geht, hahaha. So könnte man es ausdrücken, aber versteht dieses Bild nicht falsch, wir wollen keine Gewalt propagandieren. Das ist keine kindische Rebellion der Sorte "geht nicht zur Arbeit oder geht nicht in die Schule". Meine Meinung ist, daß Du mit einer guten Schulbildung und einer vernünftigen Erziehung viel weltoffener und mit der nötigen Portion Skepsis durchs Leben gehen kannst."

Harry Deschler