DISPARAGED formierten sich erstmals 1999 unter dem Namen Near Death Experience und seither gehören zum festen Line-up Ralph Beier (guitar), Tom Kuzmic (guitar / vocals) und Adrian Scheiber (bass / backing vocals). Stilistisch fahren die Jungs die recht straighte und kompromisslose Death Metal Schiene, die hier und da fast schon die Grenze zum Grind streift, ohne dabei in irgendeiner Form monoton zu werden. Auch textlich schaut man über den Zombie- und Splattertellerrand weit hinaus und nicht zuletzt durch die Tatsache, dass man mitten aus dem Herzen der Schweiz kommt, aus dem sich bislang erst wirklich wenige Bands an der todesmetallischen Front versucht haben, hebt sich diese Band wohltuend aus dem Kreise der üblichen Verdächtigen hervor.
Die Band nennt sich wie bereits erwähnt DISPARAGED, was soviel bedeutet wie "verachtet", was natürlich jede Menge Spekulationsfreiraum lässt, worin mir Gitarrist und Sänger Tom auf jeden Fall zustimmt.
Der Name gibt ein Gefühl, eine Stimmung wieder, die vieles bedeuten kann. Wir haben bewusst einen Namen gewählt, der Raum für Interpretation lässt. Man kann darin auch ein Wortspiel aus rage und despair sehen, etc.. Das verbindende Element ist der düstere Grundcharakter…wir spielen ja nicht ohne Grund Death Metal.
Auf der DISPARAGED-Homepage habe ich in der Bildergalerie ein Photo entdeckt, auf dem man ein Szenario sieht, dass auf einen Selbstmord schliessen lässt. Abschiedsbrief, Knarre, Blut, Rasierklinge; und mittendrin ein nettes Photo aus dem Familienalbum der Jungs. Welcher Zusammenhang sich daraus erschließt, kann auch mein Interviewpartner nicht genau definieren.
Ich glaube nicht, dass wir hier als Amplifier fungieren, sprich: wenn man sich eine Kugel in den Schädel jagen will, tut man dies wohl aus anderen Gründen und bestimmt nicht wegen einer Band. Man bringt sich nicht wegen den Dingen um, die man konsumiert, sondern wegen den Dingen, die sich im jeweiligen Kopf abspielen.
Fragt sich natürlich, ob sich die Gedanken, die sich in einem jeweiligen Kopf abspielen, nicht auch durch eine gewisse Art von Konsum manipuliert werden... However, der visuelle Ausgleich findet sich direkt auf den Bildern daneben, auf denen man chillig auf einer Wiese hinter einen Bauernhof hockt und schon fast das idyllische Bild einer heilen Welt repräsentiert, was sich laut Tom jedoch nicht auf den wahren geistigen Hintergrund der Band zurückführen lässt.
Tja, was soll ich sagen? Der Hintergrund eines Bandfotos gibt leider (oder zum Glück) keinen Einblick in Seelenlandschaften. Die besagten Photos waren mehr oder weniger Schnappschüsse, die wir hinter unserem Proberaum aufnahmen. Die Gegend ist wirklich sehr ländlich aber ich bin ein typisches Stadtkind. Ich bin in Zürich aufgewachsen und das Leben dort hat mit Sicherheit mein Weltbild geprägt.
Dennoch kokettiert man nicht von ungefähr mit dem Thema Suizid, das in der Schweiz wohl zu einem nicht unerheblichen Teil in der Todesstatistik Einfluss zu nehmen scheint.
Die Schweiz liegt weltweit in der top-ten und die Band macht da natürlich auch keine Ausnahme. Wir haben bereits drei Mitmusiker verloren, was auch für die Personalpolitik der Band einen herben Rückschlag darstellte. Deshalb mussten wir auch bei den Aufnahmen zu "Deathtrap" auf einen Drumcomputer zurückgreifen. Allerdings läuft´s im Moment prima und in der jetzigen Konstellation gibt es uns bereits seit über einem Jahr.
Hoffen wir natürlich, dass man auch in Zukunft (nicht nur aus musikalischer Sicht) nicht noch einmal auf einen Drumcomputer zurückgreifen muss. In den Texten von DISPARAGED geht es jedenfalls alles andere als lebensbejahend zur Sache, es wird eher völlige Resignation suggeriert, was Tom jedoch weit von sich weist.
Ich bin der Letzte, der einer Person sagen würde, wie/ob sie zu leben hat. Leb am besten so wie Du es von der anderen Seite betrachtet erfahren möchtest.
Der Song "Salvation" wirkt auf mich, als richte er sich offenkundig gegen Religionen jeglicher Gattung, worin mir der Verfasser des Songs nicht ganz zustimmt.
Der Song richtet sich nicht gegen Religionen, sondern gegen den Menschen an sich." Und er fügt noch hinzu: "Es ist eine verspielte Variante des schlechten Gewissens. Wenn die Krone des Schöpfung sich weiterhin über alle Gesetze der Natur hinwegsetzt, kommt es halt zum Showdown und der Preis dieses Spiels ist die Existenz.
Er verurteilt es auch generell nicht, wenn sich das Individuum Mensch an einer Religion festklammert.
Es ist schön, an etwas zu glauben. Ich gönne es den Menschen, die Halt, Kraft und Liebe im Glauben finden. Ich kann es halt nicht, da ich echt keine Ahnung hab, was nach dem Tod geschieht. Ich lasse mich halt am Ende überraschen.
Und für alle Leser gefragt, die sich jetzt näher mit der Materie DISPARAGED beschäftigen und eventuell noch mehr Fragen von der Band beantwortet wissen möchten, bzw. die CD "Deathtrap" ordern wollen, gibt Euch Tom noch folgendes mit auf den Weg:
Es gibt nichts, was Ihr wissen müsst, aber was Ihr wissen wollt, beantworten wir gerne. Infos über uns holt Ihr Euch am besten über www.disparaged.ch oder direkt unter info@disparaged.ch und die CD kostet Euch sieben Euro.
Harald Deschler
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