Die Anführer der symphonischen Black-Metal Welle Dimmu Borgir haben vor kurzem mit "Death Cult Armaggedon" ein Album vorgelegt, dass die Messlatte für andere Bands dieses Genres mal wieder reichlich hoch legt. Gitarrist Silenoz stand während der Tour zur neuen Scheibe im gemütlichen Plausch Rede und hin und wieder auch Antwort.
Silenoz, wie läuft die Tour bisher?
"Erfolgreich und großartig, es kommen überall viele Leute und da geht ordentlich die Post ab!"
Schön zu hören, doch kommen wir mal auf euer neues Scheibchen zu sprechen, wie kamt ihr auf die Idee ein so großes Orchester zu benutzen?
"Wir wollten die orchestralen Klänge des letzten Albums noch ausweiten und haben statt 15 eben 50 Leute verwendet, dass ist also schon ein großer Unterschied. Wir wollten halt, dass auch Hörner und alles, was zu einem Orchester gehört, dabei sind. Du brauchst dir aber keine Sorgen machen, dass wir komplett den Stil wechseln, wir werden immer versuchen das Gleichgewicht zu halten und genug aggressives Metalzeug, aber auch genug symphonische Sachen einzubringen."
Kannst du mal erläutern, was der Kreis auf dem Cover zu bedeuten hat, der auch in eurem neuen Videoclip eine tragende Rolle spielt.
"Das ist eine Art versteckte Bedeutung, er meint im Grunde, dass wir uns in Richtung der Selbstzerstörung bewegen... Ich mein schau dir doch mal den ganzen Scheiß in der Welt an, die ganzen Religionen und Kriege. Ich denke es liegt in der Natur des Menschen sich selbst zu zerstören, dass ist es im Prinzip, was wir mit dem Cover ausdrücken wollen. Der Kreis, wie du es genannt hast, ist eine Art niemals endendes schwarzes Loch in dem alles zusammenbrechen wird wenn wir so weitermachen wie wir es zurzeit tun. Und wie die Welt demnächst aussieht, kannst du auf dem Innencover sehen, dass ist dann nach dem "Death Cult Armaggedon"."
Handelt es sich demnach um ein Konzeptalbum? Die Songs "Progenies..." und "Lepers among us" sind ja beispielsweise mit einem an Fliegen erinnernden Summton verbunden.
"Es ist kein wirkliches Konzept, aber alles dreht sich um die selbe Sache. Es handelt eben von der Zerstörung der Menschheit, weil die Religion die Kontrolle über unser Leben einnimmt, uns aber den völlig falschen Weg weist. Wir müssen an uns selbst glauben! Das Album ist also eine Kritik an der Welt und an Religionen im allgemeinen. Und zwischen den beiden von dir erwähnten Songs, dass soll eigentlich mehr nach einem Bienenschwarm klingen... Der gehört dann aber auch mehr zum dritten Lied. Es handelt davon, dass es so viele beschränkte und dumme Leute um uns herum gibt, dass man einfach etwas zum Misanthropen wird. Mit "Lepers" meinen wir also diese ganzen kranken und verwirrten Leute."
Warum kümmerst du dich eigentlich um die Texte? In der Regel ist das doch die Aufgabe des Sängers, oder?
"Haha, dass ist halt mit der Zeit mein Aufgabengebiet geworden, die anderen wollten, dass ich es mache und ich mache es auch gern."
Abbath von Immortal hat euch ja bei zwei Songs unterstützt. Wie kam es denn dazu?
"Nun, wir sind seit langer Zeit Freunde und haben ihn gefragt, ob er vielleicht Lust hat einen Gastauftritt zu machen. Wir sind schon ewig Immortal-Fans und sie haben eben auch Respekt vor unserem Schaffen, im Gegensatz zu den anderen norwegischen Bands, die immer nur Scheiße über uns erzählen. Immortal haben uns aber immer akzeptiert, wie wir sind."
Weißt du, warum sich Immortal getrennt haben?
"Ja, aber ich darf's dir nicht sagen..."
Schnüff. Positiver ist da schon, dass euer Line-Up im Vergleich zu früher zur Zeit sehr stabil ist, obwohl zum Beispiel euer zweiter Gitarrist Galder noch bei Old Mans Child aktiv ist.
"Ja, das Line-Up ist viel stabiler als in der Vergangenheit, woran das liegt kann ich aber auch nicht sagen. Old Mans Child ist ja mehr ein Studioprojekt, und es besteht eigentlich nur aus Galder und wenn er Zeit dafür hat, macht er eben das nächste Album, aber dass wird wohl erst nach unserer Tour der Fall sein. Deine Vermutung, dass er auf Dimmu Borgir keinen Einfluss hat stimmt aber nicht. Besonders beim neuen Album hat er viel mitgearbeitet! Er hat aber noch Verträge mit Century Media und muss daher weitermachen, außerdem ist es eben seine Band. Old Mans Child spiegelt ihn und alles wofür er lebt wider. Und uns stört es auch nicht, solange es nicht seine Arbeit für Dimmu behindert."
Wie kam es zu der Idee ein Bathory Cover auf die neue Scheibe zu setzen?
"Hauptsächlich weil wir in der Vergangenheit immer typische Heavy Metal Songs gecovert haben. Und da wir viele neue und junge Fans mit den letzten beiden Alben hinzugewonnen haben wollten wir denen eben auch mal zeigen wo unsere Black Metal Einflüsse herkommen! Einfach um der jungen Generation mal zu zeigen, was uns zu Dimmu inspiriert hat."
Jetzt hast du gerade die "Junge Generation" erwähnt. Wie denkst du über Leute die mit Dimmu Shirts rumrennen um cool zu sein, eigentlich aber nur Marilyn Manson hören?
"Es ist natürlich schön, dass sie Dimmu Shirts und keine Manson Shirts anhaben, haha. Aber im Ernst, wir haben halt leider keinen Einfluss darauf, wer sich unsere Alben kauft und Shirts von uns anzieht. Naja, jeder muss halt mal irgendwo anfangen, es wäre natürlich schöner, wenn sie dass mit uns tun würden als mit Manson..."
Fühlt ihr euch eigentlich mehr der neueren Black Metal Szene zugehörig oder mehr den Urgesteinen wie Dark Throne, Bathory, Mayhem,...
"Wir denken Old-School, aber spielen New-School, verstehst du?"
Nicht ganz, schaut ihr also nur aufs Geld, oder warum spielt ihr "New-School"?
"Wir wollen halt was machen, was noch keiner zuvor gemacht hat und jetzt haben wir unseren Stil gefunden. Wir spielen eben symphonischen Black Metal, hören so was aber selbst nicht. Wir hören nur alten Heavy Metal und Black Metal, aber nicht so symphonisches Zeugs..., dass spielen wir nur."
Ihr tourt meistens als Headliner, würde es euch nicht eher weiterbringen mal mit einer richtig großen Band auf Tour zu gehen, mit Slayer oder so?
"Ja, wenn die uns wollen, machen wir sofort mit. Wir werden aber eventuell im nächsten Jahr mit Judas Priest auf Tour gehen! Jetzt gehen wir aber zuerst noch auf Headlinertour in den USA, im Anschluss hoffen wir, dass uns noch eine Band mitnimmt, die in den Staaten richtig groß ist. Mir persönlich ist es ziemlich egal, wer dass sein wird, solange wir ein paar von den Kids dort erreichen können. Die sind nämlich total auf dem Holzweg. Dort denken alle Nu-Metal sei Metal und anderen Bullshit. Wir werden also die Chance nützen den Leuten dort zu zeigen, was wirklicher Metal ist!"
Dimmu ist für euch ein Fulltime Job oder?
"Ja, so seit fünf, sechs Jahren."
Ihr verdient also genug?
"Nein! So ist dass leider nicht. Viele denken immer wir sind reich, aber ich habe zum Beispiel nicht mal ein eigenes Auto! Ich muss wirklich sehr darauf achten, wofür ich mein Geld ausgebe... Es ist halt so, wir sind sechs Leute in der Band und wir leben in einem sehr teuren Land, müssen Manager bezahlen und so weiter, da bleibt viel weniger übrig als alle immer denken! Jetzt schauen wir mal, was mit dem Album so passiert, wir haben unser Ziel erreicht und in unseren Augen ein besseres Album aufgenommen als das letzte und jetzt müssen wir halt abwarten..."
Hast du eigentlich Vorbilder für dein Gitarrenspiel?
"Ja, ich glaube die habe ich. Vor den Maiden und Judas Priest Gitarristen habe ich schon immer Ehrfurcht gehabt, aber mein Lieblingsgitarrist ist wahrscheinlich Chris Holmes von WASP. Aber nicht nur seine Art zu spielen, sondern seine ganze Einstellung und er ist halt einfach so eine imposante Person. Und natürlich Chuck Schuldiner, als Gitarrist kommt man einfach nicht umhin ihn zu erwähnen, vor allem weil er sich all sein Können selbst angeeignet hat. Leider habe ich ihn nie kennen gelernt, aber die Musik die er geschaffen hat ist einfach zeitlos!"
Der Bewerber
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