Das
metallische Kollektivgedächtnis hat jenen Meister
wohl seit jeher als, na ja, sagen wir Mal, obskure
Persönlichkeit in Erinnerung. Selbst zu Zeiten, als
wir noch vom Evil-Faktor
eines
Ozzy Osbournes oder Alice Cooper überzeugt gewesen
sind (ich war so um die 14), war der Name Glen Benton
jedem ein Begriff. Hat man damals gerade auch des öfteren
die „Metal“-Seiten der Bravo verschlungen
(heimlich, ohne es jemals zuzugeben), wurde man immer
wieder mit der Manifestation des Bösen konfrontiert.
Deicide und ihr Frontmann waren Härte und
imagetechnisch eine ganz andere Dimension, die man
damals mit einem Horizont, der spätestens bei Slayer
abrupt sein Ende nahm, sowieso nie verstanden hätte.

Also
beschränkte man sich auf das zur Kenntnis nehmen
einer Band, mit der man aber nichts zu tun haben
wollte. Kranke Arschlöcher. Perverse Spinner. Das
sind noch die harmloseren Einschätzungen gewesen. Man
war überzeugt, dass das, was z.B. bei Ozzy
offensichtliches Image war, dieser Glen Benton
todernst meinte. Und wirklicher Satanismus und offener
Aufruf zum Selbstmord? Nein Danke!!! Da steckte die
Sozialisation im christlichen Gutmenschentum noch zu
tief in uns drin.
Durch
die damals sehr aggressive „Aufklärungskampagne“
diverser Privatsender, die von Kiss über Gwar bis
Paradise Lost alles dem Teufel zuschoben, hat man natürlich
auch gerne mitverfolgt. Schließlich war man ein Teil
der dort verurteilten Subkultur.
Und
von Explosiv und seinen geistigen Brüdern erfuhren
wir, dass Glen Benton es im Gegensatz zu Venom z.B.
total ernst mit dem Satanismus nimmt und auch gedenkt,
mit 33 durch seine eigene Hand seinem Dasein ein Ende
zu setzen.
Nein,
gegen diese Mythen und Legenden waren selbst die
„krassen“ Cannibal Corpse und Carcass nur noch
Witzfiguren.
Wir
wurden älter. Deicide wohl auch. Glen Benton feierte
natürlich auch seinen 34. Geburtstag. Immer wieder
veröffentlichten sie Platten und machten Schlagzeilen
in diversen Publikationen. Doch je sicherer einem das
Terrain in der Metalszene erschien, desto weniger war
man von der Evilness eines Glen Benton überzeugt.
Alles Show. So war der Tenor mittlerweile, wenn es um
Deicide ging. Trotzdem hatte man dabei immer im
Hinterkopf, dass sich dieser Typ wirklich ein
umgedrehtes Kreuz in die Stirn brennen lies.
Das
war irgendwie schon sick. Doch im Zeitalter von
Bandpsychosen wie Burzum, Dissection oder Mayhem
konnte man über so einen Ami-Redneck eigentlich nur
noch lachen. Ja gar sympathisch lächeln und ihm zu
seiner gelungenen Selbstdarstellung gratulieren.
Das
Denken war ja mittlerweile auch wesentlich
differenzierter, von psychologischen und
sozialtheoretischen Thesen „unwesentlich“ geprägt.
So neigte man schnell dazu, zu denken, dass Benton die
banale Antithese zum Mc Donalds-Christentum der Amis
ist und dieses durch eine unbewusste Identifikation
mit dem „Aggressor“ in dessen paranoiden „Gut-Böse“-,
„Heaven vs. Hell-“, „Christ against
Antichrist-“ Konstrukten eigentlich nur stützt.
Würde
es aber um den wahren Gott der Amis, also den
Kapitalismus und seine imperialistische Armee gehen, wäre
Benton mit Sicherheit auf einer Welle mit
irgendwelchen Bible Belt-Idioten. Ein etwas
modifiziertes Bild über den guten Glen also.
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Dann
gab es da natürlich immer schon den Mythos,
dass Benton ein äußerst schwieriger
Interviewpartner sein soll. Immer wieder war zu
lesen, dass er bei falschen Fragen Interviews
abbrach und Journalisten auch mit Prügeln
drohte. Angesichts seiner nicht gerade
zimperlichen Erscheinung und seinem wohl
vorhanden Gewaltpotential war diese Figur auf
ihre Art wieder zu einer Bedrohung geworden,
zumindest für alle Schreiber.
Was seinen
Sound anbelangte, dass aber nur nebenbei, hatte
er bei mir längst Gottstatus erlangt. Besonders
das Debut und „Inseratehymn“ sind für mich
auch im starken US Death Metal wirkliche
Klassiker. |
Dann
las man wieder in Interviews geführt von Personen,
die das nötige Fingerspitzengefühl mitbrachten, dass
er ein sehr naturverbundener Mensch sein soll, bei
Wahlen die in Amiland nicht sonderlich starken Grünen
unterstützt und obendrein sich sehr gerne auch mal
zuraucht.
Ihr
seht, vier Hauptbilder von einer Person. Sie scheinen
sich zu widersprechen und doch auch gegenseitig zu
erklären. Oder ist etwa alles nur Nonsens? Sowohl der
knallharte Satanist, als auch der True American
Patriot und der mitfühlende Familienvater, der ein
Herz für Mensch und Tier hat? Und was war mit dem
Journalisten-Basher?
Unsere
Mission an jenem 20. 11. lag darin, genau dies
herauszufinden.
Als
der Dachs und ich gegen 18 Uhr 20 das Allgäu Richtung
Ludwigsburg verlassen, war die Stimmung im Auto zwiespältig:
einerseits waren wir uns der Bedeutung unserer
Exkursion bewusst. Wir würden Sphären betreten, die
selbst im Leben von gestandenen Metal- Schreibern
nicht gerade alltäglich sind. Andererseits spielte
eine gewisse Anspannung und Unsicherheit keine unmaßgebliche
Rolle. Wie würde er wirklich sein? Das große Tier,
das uns die Kehle durchschneidet, wenn wir im
richtigen Moment die falsche Frage stellen? Ein
introvertiertes Wesen, welches nur yes oder no von
sich geben wird? Wir wussten es nicht. Deshalb überspielten
wir unsere Ungewissheit mit Benton-Jokes und gaben ihm
absurde Namen wie „Daisy Duck“. Meine Person hatte
aufgrund der spontanen Bekanntgabe des Interviews
keine Zeit mehr gefunden, sich großartig Fragen zu überlegen.
Der Dachs war gut vorbereitet. Er hatte sich um die 20
Dinger für den Deicide- Frontmann ausgedacht.
Angekommen
in der ROFA, sah es erst mal so aus, als würde alles
platzen. Keine Gästeliste. Niemand eine Ahnung von
irgendwas. Da der Dachs jedoch sehr professionell und
Business bewandert auftritt, ist der Kontakt zum
Tourmanager schnell geknüpft. Und kurze Zeit später
steht fest, dass wir dabei sind...
Der
Gang zum Backstageraum, welcher sich im ROFA-
Kickerraum befindet, hat etwas von „The green
mile“. Ein folgenschwerer Gang, jedoch mit offenem
Ende und ohne gewissen Ausgang. Selbst das im
Vorbeigehen wahrgenommene „DER GENERAL!!!!“ von
einem gewissen Andreas R. verpuffte angesichts der
Brisanz.
An
der Bar sitzt ein Hüne von einem Mann. Sein
Erscheinungsbild gleicht dem eines klassischen Bikers.
Der Harley Schriftzug auf seinem Rücken unterstreicht
dies nur zusätzlich.
Der
Manager bewegt sich zielstrebig auf die Gestalt zu.
Selbige nimmt einen kräftigen Schluck aus seiner Jack
Daniels- Flasche. Im Hintergrund beginnen Mystic
Circle mit ihrer Show. Eine willkommene Gelegenheit
eigentlich, um sich mental mit Graf von Beelzebub und
seinen Mannen zu befassen. Mit dem innerlichen
Lachkrampf die Unsicherheit kompensieren. Doch wir
stehen plötzlich direkt neben dem Typ an der Bar-
GLEN
BENTON.

Er
weist uns auf die Plätze seitlich von sich. Mit dem
Moment, in welchem wir Platz nehmen, ist klar, dass
weder die Energie für ein professionelles Gespräch,
noch für einen freundschaftlichen Plausch gegeben
ist. Der König hat uns weder zur Besprechung des nächsten
Feldzugs kommen lassen, noch lädt er uns zu einem
freundschaftlichen Umtrunk ein.
Intuitiv
ist das einem sofort klar. Wir sind uns bewusst, dass
wir jetzt zwei kleine, nichtssagende Darsteller im
Bentonschen System sind, welche gar keiner
schauspielerischen Leistung bedürfen, da vom
Regisseur das Korsett für die Interpretation der
Rolle keinen Spielraum lässt. Schreiberlinge, das
gibt er uns zu erkennen, sind lächerliche
Witzfiguren, die ihre Unvollkommenheit durch das
Verfassen aufgeblähter Texte und Geschichten
bearbeiten.
Der
Dachs hat insofern die Arschlochkarte. Er zieht den
computergedruckten Zettel mit Fragen heraus, ist sich
seiner Rolle voll bewusst (das merke ich ihm an) und
hat das Pech, der direkte Gesprächspartner des
Meisters zu sein. Ich nehme Status und Spielregeln
wahr und beschließe, mich auf`s Beobachten und
Interpretieren zu beschränken. Dazu kommt, dass ich
auf Glen den Eindruck mache, ein nicht ganz so
verbissener Freak zu sein, der lieber mal einen Joint
durchzieht, als den Metal als allzu große
Wissenschaft zu betrachten. Dies signalisiert er mir
durch sympathisches Lächeln.
Der
Dachs jedoch, der den Journalisten zu spielen hat,
trifft es da ungemein härter: er scheint mit Fototäschchen
und vorgedruckten Fragen allen Klischees in Glen`s
Kopf zu entsprechen und muss sich von vorne Herein
seiner Opferrolle fügen. Schließlich wünscht der König
ein weiteres Bauernopfer....
So
formuliert der Dachs, ohne seine Nervosität überspielen
zu können, die erste Frage: es ist ja schwer, mit
Euch ein Interview zu bekommen....
Seine
Majestät meint erst mal nur „Okay“ dazu.
Daraufhin meint Glen, dass er ein sehr schwieriges
Individuum ist.
Dachs:
„That`s all?“
Glen:
“Yes. That`s all.”
Bedürfte
eigentlich keiner weiteren Kommentierung. Wir halten
also fest, dass sich Herr Benton selbst als sehr
schwieriges Einzelstück wahrnimmt.
Die
nächste Frage liest der Dachs im ICE- Tempo runter.
Sie zielt darauf ab, ob hinter den Storys mit
zertretenen Christen- Wandergitarren und ähnlichem,
welche in anderen Publikationen zu lesen waren, ein
gewisses Kalkül steckt. Gewagte Frage. Dazu noch ganz
am Anfang.
Benton
lässt sich die Frage noch mal vorlesen und gibt dem
Dachs dann zu verstehen, dass an solchen Geschichten
absolut nichts dran ist. Ob er sie sich ausdenkt oder
mit übermotivierten Schreibern auch mal die Phantasie
durchgeht, lässt er dabei völlig offen.
Wir
haben nun also einen relaxten, völlig zugekifften
Maniac vor uns, der nebenher Whiskey trinkt, als
handle es sich um Wasser, unfreiwillig oder bewusst
mit dem Klischee des Christenfressers ein Ende macht,
und dabei eher den Eindruck erweckt, als sei er mit
sich und der Welt soweit im Reinen, da im berauschten
Zustand die vernebelte Wahrnehmung eine günstige
Realitätswahrnehmung möglich zu machen scheint.
Angesichts
der Bilder und Vorurteile, welche man mit Benton in
Verbindung bringt, löst dieser Eindruck geradezu eine
gewisse Irritation aus. Und dennoch wahrt sich Glen
die Aura des Unnahbaren, der schwer zu knackenden Nuss
eines jeden Journalisten. Da unser Bewusstsein nun mal
darauf abzielt Wertungen vorzunehmen und metaphorische
Bilder zu konstruieren, möchte ich der Leserschaft
auch meine unmittelbaren Gedanken während des Gesprächs
nicht vorenthalten: so drängt sich die Figur eine großen
Kindes auf, welches mit leuchtenden Augen und einer
nimmermüden Lebensfreude sich und seine Wirklichkeit
konstruiert, dabei jedoch mit der Matrix der
Erwachsenen, die sich aufgrund seines Alters als nicht
zu leugnende Tatsache aufdrängt, in einen gewissen
Konflikt gerät. Umgangssprachlich würden wir wohl
von einer schizophrenen Persönlichkeit reden. Ohne es
damit wirklich treffen zu können. Vielmehr bewahren
der harte Redneck, der böse Satanist und der mysteriöse
Schreiberfeind die sensible, kindliche Glen-Seele vor
der Verantwortung in der Realität jenseits der
Adoleszenz. Solche Sonderlinge und „Freaks“
bekommen eine gewisse Unnahbarkeit und ihnen
wohltuende Außenseiterrolle zugeschrieben.
Über
solche Außenseiter und Sonderlinge wird von uns
Textern natürlich gerne berichtet. Schließlich
steckt in jedem von uns ein „Bild“- Journalist.
Der
Dachs wollte von Glen auch wissen, ob er die Inhalte
von abgedruckten Interviews kontrolliert.
„No.
I don`t care“, ist eine kurze, aber sehr klare
Antwort. Sie zeigt wohl wieder rum auf, dass sich das
„Kind“ Glen für den „erwachsenen“ Benton
nicht großartig zu interessieren scheint.
Schließlich
ist ein Tag in seinem Leben auch eher an „ursprünglicheren“
Bedürfnissen ausgerichtet. Der Kinderschreck steht
auf, trinkt Kaffee, kifft sich dann erst mal zu und
widmet sich dann seinen Harleys. Orale Befriedigung
und Spielsachen. Kann es für ein Kind viel schöneres
geben? Eigentlich nicht.
Der
Dachs, der im Gespräch mittlerweile so etwas wie eine
Sicherheit und einen Faden gefunden zu haben scheint,
spricht nach der Frage der Alltagsgestaltung auch dann
sofort Glen`s Rolle in der Wirklichkeit der
Gesellschaft an. Wie wirkt sich eigentlich sein Kampf
gegen das Christentum (also gegen die Erwachsenen) so
im täglichen Leben aus?
Daraufhin
bekommen wir evilste Gesichtsausdrücke und Posen
geliefert, mit denen Satan`s Söhnchen die Leute
angeblich nur anzuschauen braucht. Diese ergreifen
dann von der Begegnung mit dem Gesandten des
Leibhaftigen sofort die Flucht, gehen nach Hause und
beten. Eine Art „wer hat Angst vorm schwarzen
Mann“-Spiel, welches zumindest im Kopf des
„Biblebashers“ skurrile Formen angenommen hat. Wir
bekommen auch noch eine irrwitzige Interpretation
eines betenden, Gott anflehenden Christen geliefert,
der um Beistand gegen den bösen Glen fleht. Die
schauspielerische Leistung und die komödiantischen Züge
dabei sind beachtlich und beeindruckend. Wir müssen
wirklich schallend lachen. Und unser Gesprächspartner
amüsiert sich köstlich darüber. Freut sich mit uns
über seine Performance.
Doch
unser Chefredakteur holt den Exzentriker auf den Boden
der Realität zurück. Es geht die Sage um, dass
Benton Kinder hat. Ja hat er. „Ein Sohn ist von
meiner Ex- Frau, den anderen habe ich mit meiner
Freundin“. Wissen die Kinder was du tust? „Mein älterer
weiß was ich tue.“
Das
Spiel nimmt langsam wirklich beängstigende Formen an.
Der Dachs stellt eine eigentlich komplex zu
beantwortende Frage nach der anderen, das zur Auskunft
stehende Produkt der Firma Earache betreibt alles
andere als Werbung in eigener Sache, sondern freut
sich sichtlich über seine Fähigkeit jeder Substanz
die eine Frage bietet, demonstrativ auszuweichen.
Klar,
die nächste Frage des Dachses entbehrt dann auch
nicht eines gewissen Klischeefaktors. Doch mal
ehrlich, er hätte Glen wahrscheinlich alles fragen können.
In dieser Konstellation wäre nichts anderes heraus
gekommen. Gut, um meiner Chronistenpflicht Genüge zu
tun: „Ist Deine Freundin christlich?“ „Nein.“
Haben
wir die falschen Fragen? Was wären oder sind die
Richtigen? Das weiß Glen Benton wohl selber nicht.
Muss
er ja auch nicht. Interviews, und das kam klar heraus,
haben für ihn eigene Regeln und Gesetzmäßigkeiten.
So ist für ihn das Spiel so definiert, dass der
Befrager immer an der Komplexität eines
„schwierigen Individuums“ scheitern wird. Denn
weder Länge der Antworten, Ernsthaftigkeit, noch Höflichkeit
und Respekt entsprechen bei ihm den unausgesprochenen
Standards. Und das macht diesen Mann reizvoll. Welcher
Metal- Schreiber würde ihn nicht gerne „knacken“?
In der Redaktion mit einem aussagekräftigen Benton-
Interview auftauchen? Wohl jeder. Ist sicher auch
schon dem einen oder anderen gelungen.
Jedoch
dann bestimmt am Telefon und im Rahmen einer
CD-Promotion. In so einer Sache wird Glen
wahrscheinlich auch die Notwendigkeit eines Interviews
bewusst sein. Schließlich hängen von Publikationen
in Fachzeitschriften Absatzzahlen ab. Und auf
Absatzzahlen ist er definitiv angewiesen. Oder sollte
er als Briefträger oder Krankenpfleger jobben? Wohl
eher nicht.
Die
nächste Frage ist erneut sehr gewagt. Vielleicht
entpuppt er sich nach ihrer Verbalisierung doch noch
als das große Tier. In einem früheren Interview
hatte der Deicide- Kopf einmal erzählt, dass er sich
in psychologischer Behandlung befinde....
„What?“
Daraufhin ganz cool: „No. Never was.“
So,
dann hat er hier wohl gerade mit einer weiteren
Legende gebrochen und seinen Psycho- Faktor
entschieden geschwächt oder gar manifestiert. Dies
ist wohl wie alles in diesem Gespräch reine
Auslegungssache.
„Ist
das Therapie für Dich?“, fragt der Dachs und deutet
auf die sich immer weiter leerende Jacky- Flasche.
Jetzt
hat er ihn an einem Punkt getroffen, der ihm
schmeichelt und ihn glücklich macht. Das
Rock`n`Roll-Tier auf Tour, der inkarnierte Geist des
aus Spaß an der Selbstzerstörung kultivierte
Lebensgefühl grinst über beide Ohren und meint
verschmitzt: „My best friend...“.
Der
saß. Sex und Drugs, so will es das Klischee, hat bei
langhaarigen Neander Tal- Entertainern immer einen
positiven Reiz hervorzurufen. Das muss so sein und
gilt als todsichere Gesetzmäßigkeit.

„Wie
viel hast Du heute schon davon getrunken?“
Wie
viele Tiere habt ihr mit bloßer Hand erlegt Majestät?
Sie dürfen jetzt ihre immense Männlichkeit beweisen.
Also, bitte! „Frag mich lieber, wie viele Flaschen
Jack Daniels ich in den letzten 14 Tagen leer gemacht
habe?“
Der
mittlerweile untertänige Hofberichterstatter, dem ja
auch keine andere Möglichkeit bleibt als das
grenzenlose Ego des großen Satanskindes zu liebkosen,
willigt natürlich ein und rückt diese Frage nach
Glanz und Gloria in den Fokus. Der wilde,
Naturinstinkt- folgende Jäger- und Sammlerkönig aus
Übersee triumphiert: „20“. Eine Zahl, die man auf
sich wirken lassen sollte. 20 Flaschen Whiskey in 2
Wochen. Wir ziehen den nichtvorhanden Hut und staunen.
Ein
Beweis unglaublicher Männlichkeit ist auch die
Antwort auf die Frage, was Mann denn so von der
skandinavischen Black Metal- Szene hält. „ Die ist
verdammt schwul. Wenn Kinder auf der Bühne stehen und
sich wie Kiss anmalen, ist das schwul. Wenn Du
Facepaint brauchst, bist Du schwul. Du richtest Dich
zu wie ein Clown, solltest aber erst mal lernen,
Dein Instrument zu spielen.“
Wie
würdest Du Dich selbst beschreiben? „Insane.
Completely insane.“ Rülpst, lacht und lebt.
Eben
ein Mensch. Der nebenbei noch ein Freund von Chris
Barnes ist. Hat er jemals gedacht, mit ihm musikalisch
was zu machen? „Nein. Ich fungiere jedoch als Gastsänger
auf der neuen Vital Remains, die in ein paar Monaten
über Century Media rauskommt.“ Aha. Jetzt brauch
ich erst mal nen Donut mit Erdbeerglasur. Lecker.
Soviel zum informellen Teil.
Weitere
Fragen? Ihr mögt also doch Donots. Okay? Wie wird die
neue Platte? Wird Scott Burns produzieren? Was hat
sich durch den Wechsel zu Earache verändert? Wird es
einen limitierten Digipack geben? Wann erscheint Eure
DVD? Einziges Problem an der Sache: wir haben diese
Fragen nicht gestellt. Vielleicht der alles
entscheidende Fehler. So hätten viele von Euch das
erfahren, was wirklich wichtig ist.
Der
Dachs möchte es jedoch weiter extravagant und gräbt
noch mal in der Benton- Familie herum.
Fühlst
Du Dich wie ein richtiger Vater für Deinen Sohn? Glen
entrüstet: „Warum fragst Du ständig nach meinen
Kindern? Sie sind zuhause und ihnen geht es gut. Warum
fragen mich die Leute nach meiner Familie und diesem
Shit? Lass es weg, okay?“
Okay
natürlich. Wer will denn hier wiedersprechen.
Dass
die Rolle des Dachses noch einen würdigen Abschluss
findet, eine gewisse Abrundung so zu sagen, muss der
Ami noch für die Kamera posen. Stilecht wird sie aus
dem netten Fototäschchen gefischt. Beeindruckter
Japaner steht ehrfürchtig vor dem Hofbräuhaus -oder
so ähnlich. Der nächste Diaabend scheint gerettet zu
sein. Für den gibt sich Glen dann natürlich so wie
wir ihn noch aus Bravo- Zeiten kennen: das böse
Gesicht eines bösen Mannes blickt böse in die
Kamera. Unterstrichen wird diese Bösartigkeit noch
mit bösen Gesten.
Alles
wirkt komplett einstudiert und zum 500000. mal
heruntergespult. Doch genau diese Konstanz und
Berechenbarkeit macht ihn ja für die Leute im
Endeffekt so interessant. Denn all die Fragen, die
seine multiple Persönlichkeit aufwerfen, mögen
spannend sein, sind jedoch letztlich nicht von
Relevanz. Unterm Strich zählt das Markenprodukt
Deicide. Und an dieses hat der Konsument halt eine
Erwartungshaltung. Und dieser ist sich Glen bewusst.
Welche
Schattierung seiner Person nun der Wahrheit am nächsten
kommt, konnten wir nicht wirklich aufdecken. Ist
vielleicht auch nicht entscheidend. Es zählt halt
doch die Frage nach der DVD. Oder der Limited
Edition....
Schloez